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OECD Dashboard on Gender Gaps: Ihr Land im internationalen Vergleich

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Von Willem Adema (willem.adema@oecd.org), Pauline Fron (pauline.fron@oecd.org), Maxime Ladaique (maxime.ladaique@oecd.org), OECD-Abteilung Sozialpolitik

Am 18. September 2025, dem International Equal Pay Day bzw. „Internationalen Tag für gleiches Entgelt“, hat die OECD ein neues Tool vorgestellt, mit dem sie die globalen Anstrengungen zur Beseitigung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten unterstützt: das OECD Dashboard on Gender Gaps. Dieses Tool ist mehr als eine Datenbank – es ist ein Aufruf zum Handeln, ein Spiegel anhaltender Ungleichheiten und ein Kompass für Reformen. Das OECD Dashboard on Gender Gaps liefert international vergleichbare Daten zu allen OECD-Ländern, um eine bessere Beobachtung und Messung der Fortschritte auf dem Weg zur Geschlechtergleichstellung zu ermöglichen.

Die Gleichstellung der Geschlechter gehört zu den zentralen Werten der OECD und den strategischen Schwerpunkten ihrer Arbeit. Trotz der im Lauf der Zeit erzielten Fortschritte sind Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in allen OECD-Ländern nach wie vor Realität. So herrscht wachsende Besorgnis darüber, dass Jungen in der Bildung in Rückstand geraten, während Mädchen zugleich in vielen Bereichen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens weiterhin im Nachteil sind. Die anhaltenden Ungleichheiten in Bildung, Beschäftigung, unternehmerischer Tätigkeit und öffentlichem Leben führen auch dazu, dass Erwerbs-, Innovations- und Wachstumschancen verpasst werden. Dies hat Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt.

Um diese Geschlechterdifferenzen zu verringern, haben wir das OECD Dashboard on Gender Gaps entwickelt, das einen Überblick über die Gleichstellungspolitik der OECD-Länder und deren Ergebnisse in fünf großen Politikbereichen bietet.

Bildung und Kompetenzen

Geschlechtergleichstellung im Bildungswesen sorgt dafür, dass Jungen und Mädchen gleiche Chancen haben, ihren Bildungsweg erfolgreich abzuschließen und Lebenskompetenzen zu erwerben, die für ihr eigenes Wohlergehen sowie den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt wesentlich sind. Indikatoren können Aufschluss über politische Maßnahmen und Ergebnisse im Bereich Bildung und Kompetenzentwicklung geben. Regierungen sollten beispielsweise sicherstellen, dass alle Studienbereiche – von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bis hin zu Pädagogik, Kunst und Geisteswissenschaften – für Jungen und Mädchen gleichermaßen offen und attraktiv sind.

Beschäftigung und Unternehmertum

Würden die Geschlechterdifferenzen bei der Erwerbsbeteiligung (in Bezug auf Erwerbsquoten und Arbeitszeiten) beseitigt, könnte das Jahreswachstum um 0,22 Prozentpunkte steigen. Dies entspräche einem Anstieg des Pro-Kopf-BIP bis 2060 um 8,8 % entsprechen (OECD-Durchschnitt). Frauen sind aktuell in Beschäftigung und Unternehmertum unterrepräsentiert, und sie verdienen weniger als Männer. Diskriminierung bei Einstellung und Beförderung beseitigen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter fördern – dies sind zwei der Ziele, die Regierungen und Sozialpartner verfolgen können, um die wirtschaftliche Teilhabe von Männern und Frauen qualitativ zu steigern und das langfristige Wirtschaftswachstum zu erhöhen.

Öffentliches Leben und Politikinstrumente

Dieser Abschnitt basiert auf zentralen Elementen der OECD-Empfehlung zur Geschlechtergleichstellung im öffentlichen Leben. Er enthält Indikatoren, die verschiedene Aspekte der öffentlichen Governance messen, wie etwa die Beteiligung von Frauen auf verschiedenen Ebenen des politischen Geschehens. Damit macht er deutlich, wie wichtig eine stärkere Governance und Rechenschaftspflicht für die Geschlechtergleichstellung ist und wie die Beteiligung von Frauen am wirtschaftlichen und öffentlichen Leben durch politische Maßnahmen gefördert werden kann.

Wissen, Technologie und Ressourcen

Der digitale Wandel und der Vormarsch der künstlichen Intelligenz (KI) in Berufs- und Privatleben verändern die Arbeitswelt und die Formen gesellschaftlicher Teilhabe. In den meisten Ländern sind Frauen unter den Internet- und KI-Nutzenden sowie unter den Absolvent*innen von IKT- oder MINT-Fächern unterrepräsentiert (vgl.  Bildung und Kompetenzen). Frauen können bei der Nutzung von Ressourcen wie etwa der Finanz- oder Verkehrsinfrastruktur benachteiligt sein oder sich Hindernissen für die wirtschaftliche Teilhabe gegenübersehen, beispielsweise im Energiesektor.

Gesundheit und Wohlbefinden

Immer mehr Daten deuten auf wichtige geschlechtsspezifische Diskrepanzen bei Gesundheit und Wohlbefinden hin. So unterscheiden sich die durchschnittlichen Gesundheitserfahrungen und -‍ergebnisse von Männern und Frauen. Männer neigen eher zu gesundheitsschädlichem Verhalten (z. B. Rauchen, starker Alkoholkonsum) und auch ihre Selbstmordrate ist höher. Frauen haben hingegen ein höheres Risiko für Gesundheitsprobleme als Männer. Sie leben zwar im Durchschnitt länger, sind aber häufiger von chronischen Erkrankungen oder psychischen Problemen betroffen – vor allem, wenn sie Gewalt in Familie oder Partnerschaft erlebt haben.

Der International Equal Pay Day ist mehr als nur ein Gedenktag – er ist eine Herausforderung. Er zwingt uns, unangenehmen Wahrheiten ins Auge zu sehen und Dinge zu ändern. Das OECD Gender Dashboard gibt uns die Instrumente dazu.

Daten allein reichen jedoch nicht. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu beseitigen erfordert politischen Willen, institutionelle Reformen und kulturelle Veränderungen. Wir müssen neu darüber nachdenken, wie wir Arbeit bewerten, wie wir Familien unterstützen und wie wir Führung definieren. Und wir müssen Frauen und Mädchen mehr Gehör schenken, insbesondere solchen, die mit mehrfacher und intersektionaler Diskriminierung konfrontiert sind.

Die OECD wird das Dashboard weiter verfeinern und ausbauen, neue Indikatoren einbeziehen und die Datenqualität verbessern. Künftige Aktualisierungen könnten Themen wie digitale Teilhabe, Klimaresilienz und intersektionale Ungleichheiten umfassen. Bereits jetzt laden wir Regierungen, Zivilgesellschaft und Bürger*innen ein, das Dashboard zu erkunden, seine Ergebnisse zu teilen und es als Argumentationsinstrument für Veränderungen zu nutzen.

Weitere Informationen

Literaturhinweise